1

Äquivalentform

Man hat gesehen: Indem eine Ware A (die Leinwand) ihren Wert im Gebrauchswert einer verschiedenartigen Ware B (dem Rock) ausdrückt1, drückt sie letzterer selbst eine eigentümliche Wertform auf, die des Äquivalents2. Die Leinwandware bringt ihr eignes Wertsein dadurch zum Vorschein, daß ihr der Rock, ohne Annahme einer von seiner Körperform verschiedenen Wertform, gleichgilt.3 Die Leinwand drückt also in der Tat ihr eignes Wertsein dadurch aus, daß der Rock unmittelbar mit ihr austauschbar ist.4 Die Äquivalentform einer Ware ist folglich die Form ihrer unmittelbaren Austauschbarkeit mit anderer Ware.5 |Seite 70|

1 Eine Ware A (egal ob Leinwand oder Rock) kann ihren Wert nicht ausdrücken, auch nicht in einem Gebrauchswert einer anderen Ware. Die ökonomischen Eigenschaften einer Ware werden von Menschen durch drei verschiedene ökonomische Wertgrößen (einen Produktwert, einen Tauschwert (da Ware ja den Austausch automatisch impliziert) und einen Gebrauchswert (auch wenn g = 0 ist, gibt es die Größe Gebrauchswert) ausgedrückt.

2 In der Tat, durch den Austausch von Leinwand gegen Rock, erkennt der Weber die Arbeitszeit des Schneiders und der Schneider die Arbeitszeit des Webers an. Nach dem Austausch ist nämlich der Weber Besitzer des Rockes und damit der Arbeitszeit des Schneiders und der Schneider ist der neue Besitzer der Leinwand und damit der Arbeitszeit des Webers. Die Leinwand ist für den Schneider das Produktwertäquivalent für den Rock und der Rock ist für den Weber das Produktwert-Äquivalent für die Leinwand.

3 Nicht der Rock gilt der Leinwand gleich: da es Mengen verschiedener Einheit sind, können sie nicht einmal miteinander verglichen werden. Da auch die Produktwerte von 20 Ellen Leinwand und 1 Rock nicht unbedingt gleich sein müssen, kann es auch sein, daß der Produktwert des Rockes von dem Produktwert der Leinwand verschieden ist. Somit kann dem Weber der Produktwert des Rockes als „gleich dem Produktwert seiner Leinwand“ gelten, muß es aber nicht sein. Auch der Gebrauchswert der Leinwand ist für den Weber ein anderer als der für den Schneider, ebenso wie der Gebrauchswert des Rockes für den Schneider ein anderer ist, als für den Weber – weil sie sonst ihre Waren nämlich nicht gegeneinander tauschen würden.

4 Korrekt müßte es lauten: „Weil die Leinwand gegen den Rock getauscht wird, wird der Tauschwert der Leinwand durch den Produktwert des Rockes ausgedrückt: τ1 = p2. Natürlich gilt auch immer die zweite Seite eines jeden Warentausches: der Tauschwert des Rockes wird durch den Produktwert der Leinwand ausgedrückt. τ2 = p1.

5 Korrekt. Zum Äquivalent wird eine Ware nur dann, wenn sie gegen eine andere Ware getauscht wird. Das gilt aber sowohl für Ware A wie für Ware B. IE, 8.4.2015

Wenn eine Warenart, wie Röcke, einer andren Warenart, wie Leinwand, zum Äquivalent dient, Röcke daher die charakteristische Eigenschaft erhalten, sich in unmittelbar austauschbarer Form mit Leinwand zu befinden, so ist damit in keiner Weise die Proportion gegeben, worin Röcke und Leinwand austauschbar sind.1 Sie hängt, da die Wertgröße der Leinwand gegeben ist, von der Wertgröße der Röcke ab.2 Ob der Rock als Äquivalent und die Leinwand als relativer Wert oder umgekehrt die Leinwand als Äquivalent und der Rock als relativer Wert ausgedrückt sei, seine Wertgröße bleibt nach wie vor durch die zu seiner Produktion notwendige Arbeitszeit, also unabhängig von seiner Wertform bestimmt.3 Aber sobald die Warenart Rock im Wertausdruck die Stelle des Äquivalents einnimmt, erhält ihre Wertgröße keinen Ausdruck als Wertgröße.4 Sie figuriert in der Wertgleichung vielmehr nur als bestimmtes Quantum einer Sache.5

1 Sobald ein Rock zur Ware wird, befindet er sich aufgrund der Warendefinition automatisch im Austausch. Ohne Austausch bleibt der Rock ein Produkt. Wo Marx noch Recht hat, die Mengen der ausgetauschten Waren sind in keiner Weise gegeben. Man kann 2 Röcke gegen 10 Ellen Leinwand tauschen, man kann aber auch 1 Rock gegen 20 Ellen Leinwand tauschen. Man kann auch jede beliebige andere Menge Röcke gegen jede beliebige andere Leinwand-Menge tauschen.

2 Mit „Sie“ meint Marx das Mengenverhältnis zwischen Leinwand und Röcken, zwischen Warenmenge X und Warenmenge Y. Aber dieses Mengenverhältnis hängt einzig und allein von der Bereitschaft der Tauschpartner ab, ob sie so und so viel von X gegen so und so viel von Y tauschen. Man kann 20 Ellen Leinwand gegen 2 Glasperlen oder 2 Gramm Gold tauschen – alles ist möglich. Was Marx sucht, ist die Äquivalenz der Produktwerte, also p1 = p2. Wenn man die Produktwerte von X und Y kennt, ergibt sich aus dem Dreisatz die Warenmenge Y, wenn die Warenmenge X feststeht. Wie viel der Tauschpartner B aber von X nimmt, kann nur er allein entscheiden.

3 Mit „relativen Wert“ meint Marx den Tauschwert, mit Wertgröße meint Marx den Produktwert, mit Wertform meint er den Zusammenhang τx = py.

4 Mit Wertausdruck meint Marx die Warengleichung x Ware A = y Ware B. Das diese Gleichung ein no-go ist, haben ich mehrfach bewiesen. Es ist übrigens egal, ob 20 Ellen Leinwand gegen 1 Rock oder 1 Rock gegen 20 Ellen Leinwand getauscht werden. Der Tausch 20 Ellen Leinwand D 1 Rock ist auf der Warenebene spiegelsymmetrisch. Mit „…, erhält ihre Wertgröße keinen Ausdruck als Wertgröße“ könnte Marx meinen, daß der Produktwert von Ware X unabhängig ist vom Produktwert der Warenmenge Y.

5 Mit Wertgleichung meint Marx den Wertausdruck, mit Wertausdruck meint er die Warengleichung, die aber keine Gleichung ist. Marx hatte den Unterschied zwischen realen Mengen und Größen halt noch nicht verstanden. IE, 8.4.2015

Zum Beispiel: 40 Ellen Leinwand sind was „wert“? 2 Röcke.1 Weil die Warenart Rock hier die Rolle des Äquivalents spielt,2 der Gebrauchswert Rock der Leinwand gegenüber als Wertkörper gilt, genügt auch ein bestimmtes Quantum Röcke, um ein bestimmtes Wertquantum Leinwand auszudrücken. Zwei Röcke können daher die Wertgröße von 40 Ellen Leinwand,3 aber sie können nie ihre eigene Wertgröße, die Wertgröße von Röcken, ausdrücken.4 Die oberflächliche Auffassung dieser Tatsache, daß das Äquivalent in der Wertgleichung stets nur die Form eines einfachen Quantums einer Sache, eines Gebrauchswertes, besitzt,5 hat Bailey, wie viele seiner Vorgänger und Nachfolger, verleitet,6 im Wertausdruck ein nur quantitatives Verhältnis zu sehn.7 Die Äquivalentform einer Ware enthält vielmehr keine quantitative Wertbestimmung.8

1 Die Fragestellung ist ja noch berechtigt. Die Antwort ist aber falsch. Mit einer unspezifischen Frage, kann man auch keine 100%ig korrekte Antwort bekommen. Die spezifische Fragestellung müßte lauten: „Was ist der Produktwert von 40 Ellen Leinwand?“ Die Antwort würde lauten: p40 Ellen Leinwand = 2 Stunden menschliche Arbeitszeit. Die nächste Frage müßte lauten: „Was ist der Tauschwert von 40 Ellen Leinwand?“. Die Antwort könnte lauten: Der Tauschwert von 40 Ellen Leinwand ist der Produktwert der gegen die Leinwand getauschten Röcke: τ1 = p2. Die nächste Frage müßte lauten: „Was ist der Gebrauchswert von 40 Ellen Leinwand?“. Die Antwort darauf kann nur der Schneider liefern, der die 40 Ellen Leinwand gegen seine Produkte eintauschen will, da der Gebrauchswert (hier als Größe) nur personenbezogene Werte (hier als Größenwert) zwischen 0 und 1 annehmen kann.

2 Die Rolle des Produktwertäquivalents für den Produktwert der Leinwand.

3 Anbei wieder gleich die Übersetzung ins korrekte Deutsch: Der Rock hat einen Produktwert der als Tauschwert für die Leinwand fungiert (τLeinwand = pRock). Die Produktwerte sind selbstredend mengenabhängig (p20 Ellen Leinwand = 1h, p40 Ellen Leinwand = 2h, p1 Rock = 1h, p2 Röcke = 2h, usw. usf., so daß die produktwertäquivalenten Mengen über den Dreisatz bestimmt werden müssen.

4 Eine Menge ist eine Menge. 1 Rock ist 1 Rock, 20 Ellen Leinwand sind 20 Ellen Leinwand, etc pp. Die Eigenschaften von Mengen werden mit Hilfe von Größen ausgedrückt. Die Länge des Rocks in cm, die Bundweite in cm, die Farbe in rot, grün, gelb, blau, etc pp. Der Produktwert eines Rockes in der Menge der zu seiner Herstellung benötigten menschlichen Arbeitszeit, z.B. p1 Rock = 1 Stunde. Eine Menge kann niemals seine Eigenschaften durch sich selber ausdrücken. 10 t Kies sind eine reale Menge. Das Gewicht dieser Menge wird nur zur Spezifizierung der Menge benutzt, aber mit Kiesmenge kann man niemals ihre Eigenschaften beschreiben. Mit 1 Rock kann man niemals den Produktwert des Rockes ausdrücken, auch nicht den der Leinwand oder einer beliebig anderen Ware. Das ist eben der Unterschied zwischen Menge und Größe.

5 Mit Wertgleichung meint Marx die Warengleichung, da er mit „Quantum einer Sache“ von einer realen Menge redet. Aber die Warengleichung ist falsch, da sie gegen das Kommensurabilitäts-Prinzip verstößt. Außerdem sind reale Mengen und Größen miteinander nicht vergleichbar, inkommensurabel.

6 Was Bailey gesagt hat, weiß ich an dieser Stelle nicht.

7 Mit Wertausdruck meint Marx wieder die Warengleichung x Ware A = y Ware B, was gegen das Kommensurabilitätsprinzip verstößt.

8 Da der Austausch Ware A D Ware B vollkommen symmetrisch ist, gibt es keine bevorzugte Seite, auf der sich die eine Ware gegenüber der anderen in einer „Äquivalentform“ befinden könnte. IE, 9.4.2015

Die erste Eigentümlichkeit, die bei Betrachtung der Äquivalentform auffällt, ist diese1: Gebrauchswert wird zur Erscheinungsform seines Gegenteils, des Werts.2

1 Es fällt mir schwer, diese Aussage als richtig oder falsch einzuschätzen. Marx scheint selber Bauchschmerzen mit seiner Äquivalentform zu haben, mit seiner Begründung liegt allerdings wieder völlig verkehrt.

2 Verwendet Marx den Begriff Gebrauchswert hier als Sache, als Ding, als reale Menge? Verwendet er das Wort ´Gebrauchswert´ als Größe, so wie ich? Dann kann es nicht zu seinem Gegenteil werden, denn eine Größe hat kein Gegenteil. In welchem Sinne verwendet er „des Werts“? Im Sinne von Wert als Größe oder im Sinne von Wert einer Größe. Marx scheint irgendwie keinen Plan von seinen Begrifflichkeiten zu haben. IE, 9.4.2015

|Seite 71| Die Naturalform der Ware wird zur Wertform.1 Aber, notabene, dies Quidproquo ereignet sich für eine Ware B (Rock oder Weizen oder Eisen usw.) nur innerhalb des Wertverhältnisses, worin eine beliebige andre Ware A (Leinwand etc.) zu ihr tritt, nur innerhalb dieser Beziehung.2 Da keine Ware sich auf sich selbst als Äquivalent beziehen, also auch nicht ihre eigne Naturalhaut zum Ausdruck ihres eignen Werts machen kann3, muß sie sich auf eine andere Ware als Äquivalent beziehen4 oder die Naturalhaut einer andren Ware zu ihrer eignen Wertform machen.5

1 Die Schwammigkeit der Begriffe ´Naturalform´ und ´Wertform´ haben wir schon weiter oben diskutiert.

2 Den Verstoß des Wertverhältnisses (womit wieder x Ware A = y Ware B gemeint ist) gegen das Kommensurabilitätsprinzip haben wir bisher ebenfalls schon ausreichend erörtert.

3 Da hat Marx wieder mal wie aus heiterem Himmel Recht.

4 Hier könnte er den Zusammenhang Tauschwert von Warenmenge X = Produktwert von Warenmenge Y meinen – das eine bezieht sich auf das andere.

5 zu deutsch: „… oder den Produktwert der einen Ware zum Tauschwert der anderen zu machen. (τx = py.) IE, 9.4.2015

Dies veranschauliche uns das Beispiel eines Maßes, welches den Warenkörpern als Warenkörpern zukommt, d.h. als Gebrauchswerten. Ein Zuckerhut, weil Körper, ist schwer und hat daher Gewicht, aber man kann keinem Zuckerhut sein Gewicht ansehen oder anfühlen.2 Wir nehmen nun verschiedene Stücke Eisen, deren Gewicht vorher bestimmt ist.3 Die Körperform des Eisens, für sich betrachtet, ist ebensowenig Erscheinungsform der Schwere als die des Zuckerhuts.4 Dennoch, um den Zuckerhut als Schwere auszudrücken, setzen wir ihn in ein Gewichtsverhältnis zum Eisen.5 In diesem Verhältnis gilt das Eisen als ein Körper, der nichts darstellt außer Schwere. Eisenquanta dienen daher zum Gewichtsmaß des Zuckers und repräsentieren dem Zuckerkörper gegenüber bloße Schwergestalt, Erscheinungsform von Schwere. Diese Rolle spielt das Eisen nur innerhalb dieses Verhältnisses, worin der Zucker oder irgendein anderer Körper, dessen Gewicht gefunden werden soll, zu ihm tritt. Wären beide Dinge nicht schwer, so könnten sie nicht in dieses Verhältnis treten und das eine daher nicht zum Ausdruck der Schwere des anderen dienen. Werfen wir beide auf die Waagschale, so sehen wir in der Tat, daß sie als Schwere dasselbe, und daher in bestimmter Proportion auch von demselben Gewicht sind. Wie der Eisenkörper als Gewichtsmaß dem Zuckerhut gegenüber nur Schwere6, so vertritt in unserem Wertausdruck der Rockkörper der Leinwand gegenüber nur Wert.7

1 Es ist schwer nachzuvollziehen, was Marx mit „Dies“ meint. Falsch ist, daß einer Warenmenge X das Maß für den Gebrauchswert zukommt. Was ist ein Maß, ein Maßstab. Als Maß oder Maßstab verwendet man eine Menge oder einen Körper, der über eine Eigenschaft verfügt, welche als Vergleichsstandard gilt. Maß steht eher für einen Gewichtsstandard, Maßstab eher für Längenstandard. Entscheidend ist die betrachtete Eigenschaft der Menge: im Falle der Gewichtsmessung das Gewicht des Maßes. Jedes andere Gewicht wird als Vielfaches des Maßgewichtes ausgedrückt: mx = z * mMaß. Wird die Masse einer bestimmten Menge M als 1 Kilogramm definiert, dann wird das Gewicht jeder anderen Masse als m = z * 1 kg angegeben, wobei es völlig egal ist, um welchen Stoff es sich bei M handelt: Wasser, Eisen, Gold, … . Beim Maßstab ist es die räumliche Ausdehnung des Maßstabes in einer der 3 räumlichen Richtungen worauf es ankommt. Jede andere Länge wird als Vielfaches der Länge des Maßstabes ausgedrückt: lx = z * lMaßstab. Wird ein bestimmter Körper (meistens eben ein Stab, weswegen der Längen-Vergleichsstandard eben auch Maßstab genannt wird) als 1 Meter definiert, dann werden alle anderen Längen mit lx = z * 1 m angegeben. Wichtig ist, daß die Eigenschaften der Mengen durch Größen ausgedrückt werden und die Größen eine andere Kategorie sind als die Menge selber. Menge und Größe wiederum sind miteinander nicht vergleichbar, inkommensurabel, unabhängig. Alle Materie hat eine Masse und eine räumliche Ausdehnung. Diese Eigenschaften sind völlig unabhängig von der stofflichen Gestalt, in der die Materie vorkommt. Eisen hat genau die gleiche Gewichts-Eigenschaft wie Luft, beide Stoffformen sind massebehaftet. Der Wert einer Größe (z.B. mEisen = 75 kg) kann niemals durch eine Stoffmenge ausgedrückt werden. Aus diesem Grund kann eine Warenmenge nicht als Maßstab für den Gebrauchswert dienen, weil der Gebrauchswert selber eine einheitenlose Größe ist. Entweder kann die Warenmenge ein menschliches Bedürfnis erfüllen, dann hat sie den Gebrauchswert 1, oder sie kann es nicht, dann hat sie den Gebrauchswert 0.

2 Richtig, das Gewicht des Zuckerhutes kann man nicht erfühlen oder ansehen, man kann es nur mit dem Standardgewicht vergleichen. Vergleichen im Falle der Masse heißt Wiegen.

3 „… vorher bestimmt“ heißt, die Masse der Eisenstücke wurde mit dem Standardgewicht verglichen. Ist das Eisenstück genauso schwer wie das Standardgewicht, dann hat es dieselbe Masse. Wurde das Standardgewicht als 1 Kilogramm festgelegt, dann hat das Eisengewicht auch die Masse von 1 kg.

4 Körperform und Masse haben nichts miteinander zu tun. Unter Form dürfte man hier am ehesten die äußere (geometrische) Gestalt des Eisens verstehen: Zylinder, Kugel, Quader, … Die Masse ist völlig unabhängig von der Form. Die Erscheinungsform der Masse ist die Kraft, mit der sich 2 Massen anziehen, ausgedrückt durch das Newton´che Grundgesetz F = γ * m1 *m2 /r².

5 Um das Gewicht des Zuckerhutes auszudrücken, setzen wir er ins Verhältnis zum Gewicht des Eisens.

6 Bis hierhin alles richtig

7 Der Wert ist eine Größe. (Analogie zur Physik: das Gewicht ist eine Größe, das Gewicht wiederum ist eine immanente Eigenschaft aller Materie). Wertausdruck ist die irrige Annahme, daß durch die Gleichsetzung zweier Mengen (x Ware A = y Ware B, die außer für x = y und A = B obendrein gegen das Kommensurabilitätsprinzip verstößt) der Wert der Warenmenge A durch eine Warenmenge B ausgedrückt werden kann. Das wäre in etwa so, als ob man die Geschwindigkeit eines Autos durch eine Anzahl Schokoladentafeln ausdrücken würde: z.B. vAuto = 60 Schokoladentafeln. Da Marx mit „Wert“ den Produktwert zu meinen scheint, ist die Arbeitszeit jene Eigenschaft, die sowohl im Rock als auch in der Leinwand steckt. Die Arbeitszeit aber wird in einer Zeiteinheit gemessen, d.h. eine Zeiteinheit (Sekunde, Minute oder Stunde) dient als Vergleichsmaß. Falls Marx den Tauschwert meint, dient der Produktwert des Rockes zur Angabe des Tauschwertes der Leinwand (τx = py). Aber auch der Tauschwert hat als Größeneinheit eine Zeiteinheit. Falls er den Gebrauchswert meint, dann siehe 1

Hier hört jedoch die Analogie auf. Das Eisen vertritt im Gewichtsausdruck des Zuckerhuts eine beiden Körpern gemeinsame Natureigenschaft, ihre Schwere1, während der Rock im Wertausdruck der Leinwand eine übernatürliche Eigenschaft beider Dinge vertritt: ihren Wert, etwas rein Gesellschaftliches.2

1 Vollkommen richtig. Schade, daß Marx die Analogie hier für beendet hält, was übrigens leider falsch ist. Die Gesetze der Physik gelten zum Glück auch in der Ökonomie.

2 Das der Materialist Marx zuflucht zum „übernatürlichen“ sucht, zeigt, daß er die Sache nicht richtig verstanden hat. Die Zeit ist etwas ganz natürliches, Arbeit auch, somit muß auch die Arbeitszeit etwas ganz natürliches sein und damit auch der Produktwert. Wieso der Produktwert etwas „rein Gesellschaftliches“ sein soll, bleibt mir unverständlich. Ein Schneider kann seinen Rock ganz allein herstellen, eine Gesellschaft beginnt bei n = 2 Menschen. Der Produktwert kann damit rein individuell sein, der Tauschwert hingegen hat eher das Zeug zu einer gesellschaftlichen Größe, da zum Tauschen immer mindestens 2 Personen gehören.

Indem die relative Wertform einer Ware, z.B. der Leinwand, ihr Wertsein als etwas von ihrem Körper und seinen Eigenschaften durchaus Unterschiedenes ausdrückt, z.B. als Rockgleiches, deutet dieser Ausdruck selbst an, daß er ein gesellschaftliches Verhältnis verbirgt.1 Umgekehrt mit der Äquivalentform. Sie besteht ja gerade darin, daß ein Warenkörper, wie der |Seite 72| Rock, dies Ding wie es geht und steht, Wert ausdrückt, also von Natur Wertform besitzt. Zwar gilt dies nur innerhalb des Wertverhältnisses, worin die Leinwandware auf die Rockware als Äquivalent bezogen ist.

Ich habe alle Fehler, Irrtümer und Falschannahmen, die Marx immer und immer wieder wiederholt, schon weiter oben diskutiert.

Da aber Eigenschaften eines Dings nicht aus seinem Verhältnis zu andern Dingen entspringen1, sich vielmehr in solchem Verhältnis nur betätigen2, scheint auch der Rock seine Äquivalentform, seine Eigenschaft unmittelbarer Austauschbarkeit, ebensosehr von Natur zu besitzen wie seine Eigenschaft, schwer zu sein oder warm zu halten.3 Daher das Rätselhafte der Äquivalentform, das den bürgerlich rohen Blick des politischen Ökonomen erst schlägt, sobald diese Form ihm fertig gegenübertritt im Geld.4 Dann sucht er den mystischen Charakter von Gold und Silber weg zu erklären5, indem er ihnen minder blendende Waren unterschiebt und mit stets erneutem Vergnügen den Katalog all des Warenpöbels ableiert, der seinerzeit die Rolle des Warenäquivalents gespielt hat.6 Er ahnt nicht, daß schon der einfachste Wertausdruck, wie 20 Ellen Leinwand = 1 Rock, das Rätsel der Äquivalentform zu lösen gibt.

1 Ich staune immer wieder über die Sternstunden bei Marx: hier hat er völlig recht. Die Masse der Materie entspringt nicht aus dem Verhältnis von Masse 1 zu Masse 2, sondern sie ist völlig unabhängig von diesem Verhältnis da, eine allgemeingültige Eigenschaft der Natur. Das Problem ist nur, daß man die Masse einer Menge M1 nur im Verhältnis zur Masse einer Menge M2 angeben kann.

2 Stellen Sie sich eine einzelne stoffliche Kugel im sonst masselosen Raum vor. Sie wissen, daß diese Kugel eine Masse haben muß, aber sie können nicht sagen, wie schwer diese Kugel ist. Das Gewicht der Kugel können Sie nur als Vielfaches einer zweiten Masse angeben: mKugel = z * m2. Wenn m2 zufällig so groß ist wie unser Standardgewicht 1 Kilogramm, dann möge die Kugel das Gewicht von 5 * 10 hoch 24 kg haben (z.B. das Gewicht unserer Erde). Den Wert des Gewichtes der Kugel kann man also nur im Verhältnis zu einer zweiten Masse angeben, das ist aber das Geheimnis aller Größen.

3 Mit Äquivalentform meint Marx den Austausch Leinwand D Rock. Die Austauschbarkeit ist aber keine Eigenschaft von Natur aus, sondern eine menschliche. Der Mensch verleiht dem Rock und der Leinwand diese Eigenschaft, niemand anderes.

4 Was Marx unter „Äquivalentform“ versteht ist falsch. Was er unter „bürgerlich rohen Blick des politischen Ökonomen“ versteht, kann nur Marx selber kommentieren.

5 Die Mystik über Gold und Silber als Geld kommt nur daher, daß auch die bürgerlichen Ökonomen den Zusammenhang zwischen Produkt- und Tauschwert nicht erkannt haben (zumindest ist mir bei all meinen Studien nichts Vergleichbares unter die Finger gekommen).

6 Marx zitiert hier die bürgerlichen Ökonomen, die vom Preis reden. Den Unterschied zwischen Preis und Tauschwert werde ich später noch erörtern.

7 Der Wertausdruck (x Ware A = y Ware B) ist nicht zur Definition des Wertes geeignet (siehe die etlichen Kommentierungen weiter oben), erst recht nicht, um das Äquivalent-Rätsel zu lösen. Stellen Sie sich vor, ein Motorrad und Auto fahren gleich schnell nebeneinander her. Ihre Geschwindigkeiten sind somit gleich groß, also äquivalent. Wissen Sie deshalb, wie schnell das Auto fährt?

Der Körper der Ware, die zum Äquivalent dient, gilt stets als Verkörperung abstrakt menschlicher Arbeit und ist stets das Produkt einer bestimmten nützlichen, konkreten Arbeit.1 Diese konkrete Arbeit wird also zum Ausdruck abstrakt menschlicher Arbeit.2 Gilt der Rock z.B. als bloße Verwirklichung, so die Schneiderei, die sich tatsächlich in ihm verwirklicht,3 als bloße Verwirklichungsform abstrakt menschlicher Arbeit.4 Im Wertausdruck der Leinwand besteht die Nützlichkeit der Schneiderei nicht darin, daß sie Kleider, also auch Leute, sondern daß sie einen Körper macht, dem man es ansieht, daß er Wert ist, also Gallerte von Arbeit, die sich durchaus nicht unterscheidet von der im Leinwandwert vergegenständlichten Arbeit.5 Um solch einen Wertspiegel zu machen, muß die Schneiderei selbst nichts widerspiegeln außer ihrer abstrakten Eigenschaft, menschliche Arbeit zu sein.6

1 richtig

2 Ich möchte hier gleich gegen die „abstrakte menschliche Arbeit“ vorgehen, weil die für viel Unheil in den Köpfen sorgt. Eine konkrete Arbeit ist Weben, Schneidern, Schmieden, etc pp – also alle menschlichen Tätigkeiten die man unter dem Begriff Arbeiten subsumiert. Was Marx mit „abstrakter menschlicher Arbeit“ meint, ist die Arbeitszeit. Jede Größe ist eine Abstraktion. Wenn man sich für die Geschwindigkeit eines Autos interessiert, läßt man alle anderen Details weg. Wenn man von der Arbeitszeit redet, läßt man alle anderen Details der Arbeit weg. Aber die „abstrakte menschliche Arbeit“ gibt es nicht, weswegen dieser Satz von mir als falsch eingestuft wurde.

3 richtig

4 falsch, siehe 2

5 falsch, siehe die Ausführungen weiter oben

6 Hier versucht der Philosoph Marx mit dem nächsten unscharfen Begriff aus der Philosophie, seinen falschen ökonomischen Annahmen Leben einzuhauchen. Auf die Fehler der Widerspiegelungs-Theorie möchte ich an dieser Stelle aber nicht eingehen.

In der Form der Schneiderei wie in der Form der Weberei wird menschliche Arbeitskraft verausgabt.1 Beide besitzen daher die allgemeine Eigenschaft menschlicher Arbeit und mögen daher in bestimmten Fällen, z.B. bei der Wertproduktion, nur unter diesem Gesichtspunkt in Betracht kommen.2 All das ist nicht mysteriös.3 Aber im Wertausdruck der Ware wird die Sache verdreht. Um z.B. auszudrücken, daß das Weben nicht in seiner |Seite 73| konkreten Form als Weben, sondern in seiner allgemeinen Eigenschaft als menschliche Arbeit den Leinwandwert bildet, wird ihm die Schneiderei, die konkrete Arbeit, die das Leinwand-Äquivalent produziert, gegenübergestellt als die handgreifliche Verwirklichungsform abstrakt menschlicher Arbeit.4

1 richtig

2 Marx verwechselt die beiden Größen Kraft und Zeit. Im ersten Satz redet er von Kraft. Da er im zweiten Satz von Wert redet, nehme ich an, daß er vom Produktwert redet, denn nur dieser wird in der Produktion gebildet. Der Produktwert ist aber eine Größe mit einer Zeiteinheit, was etwas anderes ist, als eine Kraft.

3 richtig – man muß nur die richtigen Begriffe verwenden.

4 Die Fehler des Wertausdrucks (x Ware A = y Ware B) habe ich bereits weiter oben ausführlich dargestellt. Mir kommt es manchmal so vor, als ob Marx glaubt, seine Fehler durch ständige Wiederholung zu retouchieren.

Es ist also eine zweite Eigentümlichkeit der Äquivalentform, daß konkrete Arbeit zur Erscheinungsform ihres Gegenteils, abstrakt menschlicher Arbeit wird.

Die erste Eigentümlichkeit der Äquivalentform habe ich weiter oben schon widerlegt. Das die konkrete Tätigkeit nicht zu ihrem Gegenteil wird, nur weil man sich auf die Zeit konzentriert, ebenfalls.

Indem aber diese konkrete Arbeit, die Schneiderei, als bloßer Ausdruck unterschiedsloser menschlicher Arbeit gilt, besitzt sie die Form der Gleichheit mit anderer Arbeit, der in der Leinwand steckenden Arbeit1, und ist daher, obgleich Privatarbeit, wie alle andere, Waren produzierende Arbeit2, dennoch Arbeit in unmittelbar gesellschaftlicher Form3. Ebendeshalb stellt sie sich dar in einem Produkt, das unmittelbar austauschbar mit anderen Waren ist.4 Es ist also eine dritte Eigentümlichkeit der Äquivalentform, daß Privatarbeit zur Form ihres Gegenteils wird, zu Arbeit in unmittelbar gesellschaftlicher Form.5

Am besten, ich übersetze Marx wieder mal ins korrekte Deutsch:

1 Die vergleichbaren Größen zwischen der Arbeit des Schneiders und der Arbeit des Webers sind deren Arbeitszeiten tSchneider und tWeber.

2 Die Arbeit des Schneiders ist vorerst genauso eine private Tätigkeit wie die des Webers.

3 Die individuelle Arbeitszeit des Schneiders wird durch den Weber dann anerkannt, wenn der Weber seine Leinwand gegen den Rock des Schneiders tauscht, vice versae: die individuelle Arbeitszeit des Webers wird durch den Schneider anerkannt, wenn er seinen Rock gegen die Leinwand des Webers tauscht. Beim einfachen Warentausch Rock D Leinwand von einer gesellschaftlichen Form zu sprechen, halte ich für ein bißchen vermessen. Dieser einfache Warentausch ist meiner Meinung nach eine rein private Angelegenheit zwischen Schneider und Weber.

4 Die Austauschbarkeit der Waren beruht einfach darauf, daß der Schneider nicht seinen Rock braucht und der Weber nicht seine Leinwand. Das hat aber etwas mit den Gebrauchswerten der Produkte für ihre unmittelbaren Produzenten zu tun, nicht mit deren Arbeit (im Sinne von Tätigkeit).

5 Unter gesellschaftlicher Arbeit verstehe ich die Zusammenarbeit mehrerer Produzenten bei der Herstellung einer Ware, z.B. die Entwicklung, Konstruktion und den Bau eines Auto´s, …

Die beiden zuletzt entwickelten Eigentümlichkeiten der Äquivalentform werden noch faßbarer, wenn wir zu dem großen Forscher zurückgehen, der die Wertform, wie so viele Denkformen, Gesellschaftsformen und Naturformen zuerst analysiert hat. Es ist dies Aristoteles.

Unter Form wird hier die spezifische Verwirklichung von Sachverhalten der objektiven Realität, Eigenschaften oder Tendenzen verstanden (z.B. Gesellschaftsform). Wie wir gesehen haben, waren die „Eigentümlichkeiten“ gar keine Eigentümlichkeiten sondern Trugschlüsse des Karl Marx, die sich dann auflösen, wenn man die richtige Theorie zur Praxis hat.

Zunächst spricht Aristoteles klar aus, daß die Geldform1 der Ware nur die weiter entwickelte Gestalt der einfachen Wertform ist, d.h. des Ausdrucks des Werts einer Ware in irgendeiner beliebigen anderen Ware, denn er sagt: „5 Polster = 1 Haus unterscheidet sich nicht von 5 Polster = soundso viel Geld“2

1 Hier macht Marx einen riesen Sprung und läßt gleich mehrere Zwischenschritte aus. Um den Leser an die Geldform einer Ware heranzuführen, möchte ich kurz einfügen, daß sich der direkte Warentausch W1 D W2 infolge der gesellschaftlichen Herausbildung einer dritten Ware W3 in die beiden Vorgänge W1 D W3 + W3 D W2 aufteilt. Wird die dritte Ware Geld genannt, so wird aus W1 D W3 + W3 D W2 die bekannte Darstellung W1 D G + G D W2.

2 Mit Polster werden wahrscheinlich Polstersessel gemeint. Die Gleichung ´x Ware A = soundso viel Geld´ verstößt genauso gegen das Kommensurabilitätsprinzip wie ´x Ware A = y Ware B´, Mengen unterschiedlicher Einheit sind inkommensurabel, auch wenn es sich bei Warenmenge B um eine Geldmenge G handelt. Die Untauglichkeit der Schlußfolgerung, aus einer falschen Gleichung (x Ware A = y Ware B), den Wert der Warenmenge A ableiten zu wollen, haben wir weiter oben ausführlich diskutiert. Daran ändert sich auch nichts, wenn aus der Warenmenge B eine Warenmenge G wird. Aristoteles mag die ´Wertform´ zwar zuerst analysiert haben, aber eben leider falsch.

Er sieht ferner ein, daß das Wertverhältnis, worin dieser Wertausdruck steckt1, seinerseits bedingt, daß das Haus dem Polster qualitativ gleichgesetzt wird2 und daß diese sinnlich verschiedenen Dinge ohne solche Wesensgleichheit nicht als kommensurable Größen aufeinander beziehbar wären.3 |Seite 74| Aristoteles sagt: „Der Austausch kann nicht sein ohne die Gleichheit, die Gleichheit aber nicht ohne die Kommensurabilität“4. Hier aber stutzt er und gibt die weitere Analyse der Wertform auf.5 „Es ist aber … unmöglich, daß so verschiedenartige Dinge kommensurabel, d.h. qualitativ gleich sind“6. Diese Gleichsetzung kann nur etwas der wahren Natur der Dinge Fremdes sein, also nur ein „Notbehelf für das praktische Bedürfnis“.7

1 Mit ´Wertverhältnis´ meint Marx den Irrtum ´x Ware A = y Ware B´. Mit ´Wertausdruck´ meint Marx, daß man aus dem Fehler ´x Ware A = y Ware B´ den Wert der Ware A aus der Warenmenge B ablesen könne.

2 Nicht das Haus wird dem Poster qualitativ gleichgesetzt, sondern qualitativ gleiche Eigenschaften (wie z.B. das Gewicht des Hauses mit dem Gewicht der Polstersessel oder die zur Herstellung benötigten Arbeitszeiten tMaurer und tPolsterer) können miteinander verglichen werden.

3 Die Dinge sind keine Größen. Nicht die Dinge werden aufeinander bezogen, d.h. miteinander verglichen, sondern die Größen.

4 Eine vollkommen korrekte Aussage

5 Aus welchem Grund Aristoteles die Analyse der Wertform aufgegeben hat, wird wohl für ewig ungeklärt bleiben. Ich vermute machtpolitische Ursachen, kann diese Vermutung aber nicht beweisen. Auf jeden Fall hätte Aristoteles bei der konsequenten Anwendung des Kommensurabilitätsprinzips, was ihm damals ja schon bekannt war, hinter die gleichen Widersprüche kommen müssen wie ich.

6 Vollkommen korrekt: verschiedenartige Dinge (oder Mengen unterschiedlicher Einheit) sind inkommensurabel. Gleich können nur Größen der gleichen Eigenschaft (Qualität) sein: m1 = m2, l1 = l2, v1 = v2, t1 = t2, …

7 Vollkommen richtig: die Gleichsetzung von x Ware A = y Ware B ist falsch (oder mit Aristoteles´chen Worten ausgedrückt: „der wahren Natur der Dinge fremd“). Diese Gleichsetzung ist nur ein Notbehelf für das damals vorhandene Bedürfnis nach einem praktikablen Austausch der Waren. Aristoteles hat geschaut und sich gefragt: Was machen die Leute? Sie tauschen 5 Polster gegen so und so viel Geld. Und dann hat er Austausch (also 5 Polster D x Geld) mit Gleichheit verwechselt (5 Polster = x Geld). Das ist der dritte Kardinalfehler, den alle Ökonomen nach ihm einfach übernommen und nicht hinterfragt oder analysiert haben.

Aristoteles sagt uns also selbst, woran seine weitere Analyse scheitert, nämlich am Mangel des Wertbegriffs.1 Was ist das Gleiche2, d.h. die gemeinschaftliche Substanz, die das Haus für den Polster im Wertausdruck des Polsters vorstellt?3 „So etwas kann in Wahrheit nicht existieren“4, sagt Aristoteles. Warum? Das Haus stellt dem Polster gegenüber ein Gleiches vor, soweit es das in beiden, dem Polster und dem Haus, wirklich Gleiche vorstellt.5 Und das ist – menschliche Arbeit.6

1 Das ist eine Annahme von Marx, ob Aristoteles das wirklich selber gesagt hat, ist unklar.

2 Eine berechtigte Frage. So weit war man damals also schon!

3 Die Zeit ist keine Substanz, sondern Ausdruck einer Eigenschaft.

4 Warum soll die Zeit nicht existieren?

5 zu Deutsch: Haus und Polster haben gleiche Eigenschaften (Masse, Ausdehnung, …). Diese sind durch Größen beschreib- und damit vergleichbar.

6 Und das ist – die zur Herstellung erforderliche menschliche Arbeitszeit.

Daß aber in der Form der Warenwerte alle Arbeiten als gleiche menschliche Arbeit und daher als gleichgeltend ausgedrückt sind, konnte Aristoteles nicht aus der Wertform selbst herauslesen1, weil die griechische Gesellschaft auf der Sklavenarbeit beruhte2, daher die Ungleichheit der Menschen und ihrer Arbeitskräfte zur Naturbasis hatte.3 Das Geheimnis des Wertausdrucks, die Gleichheit und gleiche Gültigkeit aller Arbeiten, weil und insofern sie menschliche Arbeit überhaupt sind, kann nur entziffert werden, sobald der Begriff der menschlichen Gleichheit bereits die Festigkeit eines Volksvorurteils besitzt.4 Das ist aber erst möglich in einer Gesellschaft, worin die Warenform die allgemeine Form des Arbeitsprodukts, also auch das Verhältnis der Menschen zueinander als Warenbesitzer das herrschende gesellschaftliche Verhältnis ist.5 Das Genie des Aristoteles glänzt gerade darin, daß er im Wertausdruck der Waren ein Gleichheitsverhältnis entdeckt.6 Nur die historische Schranke der Gesellschaft, worin er lebte, verhindert ihn herauszufinden, worin denn „in Wahrheit“ dies Gleichheitsverhältnis besteht.7

1 Hinter dem Begriff Warenwert sind 3 ökonomische Größen versteckt: der Produktwert, der Gebrauchswert und der Tauschwert. Die ökonomischen Eigenschaften jeder Ware können mit Hilfe dieser 3 Größen beschrieben werden. Nicht die Arbeit (im Sinne von Tätigkeit, also Weben, Schneidern, Schustern) werden dadurch vergleichbar, sondern die zur Herstellung erforderlichen Arbeitszeiten sind vergleichbar. Das kann man aber nicht aus der Wertform (Wert von Warenmenge A = y Ware B) herauslesen!

2 Diese Begründung ist völlig falsch. Das kann man deshalb nicht aus der Wertform herauslesen, weil die Wertform eine völlig falsche Annahme ist. Diese Annahme verstößt 2 mal gegen das Kommensurabilitätsprinzip und verwechselt Austausch mit Gleichheit. Es wäre der pure Zufall, wenn man aus einer falschen Annahme die richtigen Schlußfolgerungen ziehen würde.

3 Die Sklaverei beruht auf der Ausbeutung und Ungleichbehandlung der Menschen.

4 falsch. Der Wertausdruck (x Ware A = y Ware B) birgt kein Geheimnis sondern ist falsch. Die Gleichsetzung verschiedener Warenmengen verstößt zum einen gegen das Kommensurabilitäts-Prinzip und ist zum anderen eine Verwechslung mit dem Austausch. Korrekt würde der Satz wie folgt lauten: ´Das Geheimnis des Austausches, die Vergleichbarkeit der Arbeitszeiten, kann nur entdeckt werden, wenn die differenzierten Vorstellungen von Menge, Eigenschaft, Größe und Wert im individuellen Denken fest verankert sind.´

5 ´Das ist in einer Gesellschaft möglich, wo die Ausbildung der Menschen auf einer korrekten physikalisch-naturwissenschaftlichen Anschauung beruht.´

6 Ich möchte das Genie des Aristoteles keineswegs in Frage stellen, weshalb der Satz von mir in grün (somit als richtig) markiert wurde. Korrekterweise müßte die Aussage aber wie folgt lauten: ´Im Austausch der Waren muß etwas Vergleichbares stecken.´

7 ´Nur das geringe wissenschaftliche Entwicklungsniveau verhinderte herauszufinden, worin die Vergleichbarkeit und Gleichheit besteht.´